Freundeskreis

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Gesprächsforum

Die Niederlausitz — eine geteilte Kulturlandschaft
zwischen Brandenburg und der Woiwodschaft Lubuskie


Referent:
Studiendirektor a.D. Thomas Thieme, Berlin

„... [die Niederlausitz] gehörte im Laufe der Geschichte unterschiedlichen politischen Herrschaften an und konnte so je nach Umständen etwas abweichend definiert werden.“ (Cottbuser Studien zur Geschichte von Technik, Arbeit und Umwelt, Münster/New York/Berlin 2002, hg. V. G. Bayerl, S. 343).

Das Bild zeigt einen Kartenausschnitt der Niederlausitz

Bei dem wie immer gut besuchten Märkischen Gesprächsforum konnten die Zuhörer eine „Reise“ durch die Niederlausitz anhand des Vortrages und der gezeigten Bilder machen. Der geschichtliche Überblick  - im Zuge der Völkerwanderung: Abwanderung der Germanen, Besiedelung durch slawische Stämme (heute noch durch die Sorben vertreten), dann seit dem 10. Jahrhundert deutsche Herrschaft und Einbeziehung in die Ostsiedlung.
1462 sicherte sich der Kurfürst von Brandenburg die Herrschaft über Cottbus und Peitz. Von 1635 bis 1815 gehörte die Niederlausitz zum Kurfürstentum Sachsen, dann wurde sie Teil der preußischen Provinz Brandenburg. 1945 kommt die östliche Niederlausitz zu Polen.
Im früher deutschen Sorau (jetzt Żary) blühte die Textilindustrie, 1939 hatte die Stadt ca. 19.000 Einwohner, heute sind es annähernd 40.000. Żary ist das Wirtschaftszentrum im Süden der Woiwodschaft mit klein– und mittelständischen Betrieben der Holz-, Metall-, Elektro– und Baustoffindustrie.
Die „Reise“ geht weiter nach Guben: 1235 erhält Guben durch den Markgrafen von Meißen das Stadt­recht. Im 19. Jahrhundert waren die Tuch– und Hutindustrie wichtige Wirtschafts­faktoren. Von dem einst blühenden Weinbau ist heute nichts mehr zu erkennen.
Nach 1945 wurde die westlich der Neiße liegende ehemalige Gubener Vorstadt eine eigene Stadtgemeinde. Von 1961—1990 hieß sie „Willhelm-Pieck-Stadt Guben“. Die bis zur Wende bestehende Chemiefaserproduktion wurde eingestellt. Heute entwickeln und produzieren die ansässigen Unternehmen vor allem Hightech-Kunststoffe und textile Hochleistungsfasern.
Die Altstadt östlich der Neiße kam 1945 unter polnische Verwaltung und wurde umbenannt in Gubin.
Das historische Rathaus wurde nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg originalgetreu wieder aufgebaut. Das polnische Gubin hat heute ca. 17.000 Einwohner und gehört zur Woiwodschaft Lebus (Lubuskie).
Die 1933 gegründete Euroregion Spree-Neiße-Bober betreibt die Zusammenarbeit auf den Gebieten Raumordnung, Umweltschutz, Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, Grenzübergreifende Infrastruktur, Tourismus, Kultureller Austausch und Bewahrung des gemeinsamen Kulturerbes.
Die „Reise“ führt uns weiter nach Cottbus (Chosebuz). Im Zuge der Gewährleistung der Rechte der Wenden im Einigungsvertrag werden die Sorbische Sprache und Kultur durch verschiedene Einrichtungen gepflegt, so u.a. im niedersorbischen Gymnasium in Cottbus, das ca. 600 Schüler hat. Berühmt ist der Fürst-Pückler-Park mit Schloss Branitz. Kultur, Wissenschaft, Dienstleistungsgewerbe und Verwaltung bestimmen heute das Bild der Stadt. Die Brandenburgische Technische Universität ist die einzige ihrer Art im Land Brandenburg.
Der Naturpark Niederlausitzer Landrücken und Fürstlich Drehna ist geprägt durch eine „ausgedehnte Mondlandschaft“ mit großen, offen gelassenen Tagebauen (Braunkohle). Während der DDR-Zeit bestimmten die Fortschritte in der Braunkohlenbrikettierung und die Entstehung des elektrischen Verbundnetzes die Erfolgsgeschichte der Niederlausitz. Das Renaturierungs­programm lässt herrliche Biotope entstehen: Sumpfgebiete und Seen, Tier– und Pflanzenwelt bestimmen immer mehr das Bild.
Fürstlich Drehna = Ortsteil der Stadt Luckau erfreut durch das Wasserschloss aus dem 14.—16. Jahrhundert und seinen Landschaftspark, der von Peter Joseph Lenné angelegt wurde.
Luckau (1276 erste urkundliche Erwähnung) war von 1816 bis 1993 Kreisstadt. Der Kern der historischen Altstadt ist unzerstört geblieben. Eine traurige Berühmtheit erlangte die Stadt durch die bis 2005 bestehende Strafvollzugsanstalt. Karl Liebknecht saß von 1916—1918 ein, in der NS-Zeit waren es zumeist politische Häftlinge.
Die westliche Niederlausitz hat in den Jahren nach dem Krieg einschneidende Wandlungen durchgemacht. Vor allem die „Deindustrialisierung“ nach der Wende 1989/90 zog nachhaltige gesellschaftliche Störungen nach sich.
Die Zukunft der Niederlausitz: „Die Niederlausitz ist eine ‚Problemregion‘, die sich seit 1999 im ‚Wartezustand‘ befindet. ... Sie (steht) ... am Anfang eines neuen und eher offenen Wandlungsprozesses. Ob die ablaufenden Veränderungen ... sozial und demokratisch gestaltet werden können, hängt ... vor allem aber von der Förderung und Entwicklung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Potentiale in der Region ab.“ (K. Neitmann (Hrsg.), Im Schatten mächtiger Nachbarn. Politik, Wirtschaft und Kultur der Niederlausitz. Berlin-Brandenburg 2006, S. 282 f.) IS

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