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Gesprächsforum

Deutschlands historischer Osten – verblassende Erinnerung oder kulturelles Erbe?


Referent:
Karlheinz Lau, Oberschulrat a.D., Berlin

Der Referent verwies auf die z.T. unterschiedliche Geschichtsauffassung beider Länder, trotz umfangreicher Literatur und zahlreicher gemeinsamer Aktionen im Bereich der Aufarbeitung von Geschichte. Letzteres sollte durch die jungen Generationen geschehen, da sie unbelastet seien von persönlichen Kriegs- und Nachkriegserfahrungen. Dennoch sei es Aufgabe der sog. Erlebnisgeneration, dafür zu sorgen, dass das Erlebte nicht in Vergessenheit gerate. Vordringlich sei aber der Erhalt des Wissens um die in Jahrhunderten gewachsene Kultur der ehemaligen deutschen Ostgebiete. Bereits heute habe die mangelhafte Kenntnis ein erschreckendes Maß angenommen, ja es kann sogar von einer weit verbreiteten Unkenntnis gesprochen werden. Ein Grund dafür sei in den Schulen zu suchen.
In der früheren DDR sei das Geschichtsbild verändert worden, es habe ‚keine Vertriebenen‘ gegeben, sondern es handelte sich um Umsiedler. In den 50er Jahren sei in der DDR das Problem erledigt gewesen, es habe lediglich Neusiedler gegeben.
In der BRD hielten die Vertriebenen das Bild des deutschen Ostens in Erinnerung – ohne dem Revisionismus oder Revanchismus zu verfallen. Trotzdem sei die Vertriebenenproblematik kein Thema in der Bildungspolitik gewesen.
Auch nach dem Zusammenschluss von DDR und BRD habe sich in den Schulen hinsichtlich des genannten Geschichtskomplexes nichts oder nur wenig geändert. Die Organisationen der Vertriebenen in ihren sog. Heimatkreisen und in den Verbänden des BdV sind bemüht, Erinnerung von Geschichte und Kultur, z.B. auch in grenzüberschreitenden Aktivitäten, zu erhalten. Es sind inzwischen auch andere Institutionen, die sich für das östliche Nachbarland interessieren. In die Zukunft schauend, treffen sich Jugendgruppen beider Länder; Historiker tauschen ihre Erkenntnisse aus. Aber das alles täusche nicht darüber hinweg, dass der Kenntnisstand über den früheren deutschen Osten in erschreckend großen Bevölkerungsteilen gleich Null ist. Und es täusche auch nichts darüber hinweg, dass Geschichtsunterricht in den Schulen die Vertreibungsthematik ausblende.
Die These des Referenten ist: Man muss keinen familiären ostdeutschen Hintergrund haben, um den deutschen Osten und seine Kultur zu erforschen und zu pflegen.

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